Wohl die meisten der Schüler des WHGs werden – früher oder später – einmal ihr Abi an unserer Schule machen. Dennoch erscheinen die Abiturprüfungen oft als weit entfernt, nicht wirklich vorstellbar oder gar bedrohlich. Einige unserer Autoren haben sich dieses Jahr, mehr oder weniger freiwillig, dem Abitur im Selbsttest unterzogen und berichten hier von ihren Erfahrungen.

Als wir am entsprechenden Tag, halb schlecht vor Nervosität, in der Schule ankamen, trafen wir dort meistens schon einige unserer Mitabiturienten aka Mitleidensgenossen an – eigentlich wirkte es wie eine gewohnte Situation: Man traf sich am Vertretungsplan, redete miteinander und beruhigte sich allmählich. Daraufhin folgte der Aufstieg in Richtung der Fachsäle, in denen das Abitur geschrieben würde. Je nach Fach unterschied sich die Ankunftszeit insofern, als dass die zentral gelegten Prüfungen um 8:40 Uhr begannen, während wir bei den übrigen Terminen bereits um 7:40 bei idealer Aufnahmekapazität anwesend sein mussten.

Oben angekommen, wurden wir von einem Mitglied der Schulleitung sowie den entsprechenden Fachlehrern begrüßt, woraufhin wir unsere Sitzplatznummer zogen – die 13 wurde bewusst ausgespart. Im Folgenden öffnete ein Schüler – im unglücklichen Falle eines Geburtstages am Tag der Abiturprüfung die entsprechende Person – den Umschlag mit den vom Land ausgewählten Aufgaben. Je nach Fachgebiet standen hier entweder unterschiedliche Themen zur Wahl, oder alles musste bearbeitet werden. Hierbei kam es aber durchaus zu Fehlern: So wurde in einem Deutschkurs versehentlich das gestrichene Thema anstatt der zu bearbeitenden ausgeteilt.

Nach einem Blick aufs Blatt wurde (im besten Falle) schnell klar, wie unbegründet die anfängliche Nervosität gewesen war, da die Aufgaben sich kaum von denen normaler Kursarbeiten unterschieden. Im Idealfall waren die Aufgaben so gestellt, dass weniger Detailwissen als das prinzipielle Verständnis geprüft wurde und es wichtig war, das Gelernte aus zweieinhalb Jahren miteinander zu verknüpfen.

Anders als bei normalen Kursarbeiten wurden während der Abiprüfungen die sogenannten „Ampeln“ in den entsprechenden Fachsälen genutzt. Diese Ampeln, die sonst nicht in Erscheinung treten, sind kleine, feuermelderartige Lampen, die an der Decke über dem Eingang in den Musiksälen montiert sind. Verließ ein Schüler während der Prüfung den Saal, beispielsweise um die Toilette aufzusuchen, musste diese angeschaltet werden, sodass auch in den anderen Sälen ersichtlich war, dass sonst niemand den Saal verlassen durfte. Zudem befanden sich immer mindestens zwei Lehrer im Saal – einer vorne, einer hinten positioniert – , die bei einem Zwischenfall einschreiten konnten, sei es ein plötzlicher Zusammenbruch oder ein Betrugsversuch.

Als erster Jahrgang in Rheinland-Pfalz wurden bei uns dieses Jahr einige Abituraufgaben zentral vom Land gestellt, also nicht mehr alleinig vom entsprechenden Fachlehrer eingereicht. Dies war in Mathematik, Deutsch, Englisch und Französisch der Fall, was in manchen Prüfungen zugunsten der Schüler ausfiel, in anderen Fächern wie in Französisch aber eher zu Ernüchterung führte. Hier ist zu sagen, dass die Vorbereitung durch das Land auf die Neuerung teilweise ungenügend war, da Beispielaufgaben erst sehr spät versendet wurden oder die Anforderungen im Abitur nicht von vorneherein klar waren. Das Stellen dezentraler Aufgaben durch den Fachlehrer hat also auch seine Vorzüge, da dieser die Aufgaben an den Kurs anpassen kann und Probleme wegen unklarer Fragestellungen weniger wahrscheinlich sind. Probleme mit der Vergleichbarkeit gab es übrigens auch bei den zentralen Aufgabenstellungen: So wurden in Mathematik verschiedene Prüfungen an den unterschiedlichen Schulen gestellt, je nachdem, mit welchem Taschenrechner im Kurs gearbeitet worden war.

Wer jüngere Schüler und selbst Zwölftklässler nach dem erwarteten Lernaufwand für das Abitur fragt, hört oft, dass man sicherlich schon mindestens ein halbes Jahr vor den Prüfungen mit dem Lernen anfangen müsse. Allerdings werden wohl die meisten Abiturienten von mit der Zeit abnehmender (und kurz vor der Prüfung drastisch steigender) Motivation, verschobenen Deadlines und Dergleichen zu berichten wissen. Nachteilig wirkte sich bei uns auch die Tatsache aus, dass durch die zentral festgelegten Termine nur eine sehr enge Zeitspanne für die restlichen Prüfungen zur Verfügung stand, sodass man im schlimmsten Fall alle drei Prüfungen innerhalb von fünf Tagen schreiben musste. Ebenso unschön waren die Termine in der letzten Woche: Nach der Prüfung in Gesellschaftswissenschaften, Sport und Kunst blieben nur noch eineinhalb Tage, um sich auf die letzte Klausur in Chemie oder Physik vorzubereiten. Klingt anstrengend, ist es auch definitiv, aber letztendlich geht es doch irgendwie. Fast wichtiger als das tatsächliche Lernen ist beim Abitur ohnehin wahrscheinlich das Verstehen der Sachverhalte, und auch durch das Erstellen eigener Zusammenfassungen kann schon ein wesentlicher Teil der Arbeit gemacht sein.

Zusammenfassend bleibt nur zu sagen, dass das Abitur vielleicht stressig, aber im Endeffekt gar nicht so schrecklich ist, wie man vielleicht denken könnte. Das Gefühl, die letzte schriftliche Prüfung geschafft zu haben, ist schwer in Worte zu fassen. Momentan gehen wir wieder in den Unterricht, bereiten uns (mehr oder weniger intensiv) auf die mündlichen Prüfungen vor und müssen uns noch bis Anfang März gedulden, um die Ergebnisse der schriftlichen Klausuren zu erfahren. Wie wir das Abitur danach einschätzen? Wir werden sehen.

von Carmen Henel und Sophie Korgitzsch

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